Nur mit viel Flexibilität und auch Einschränkungen für Nutzer werden sich große kommunale Bauvorhaben künftig meistern lassen

Bürgermeister Dr. Michalzik geht auf eine Kritik aus der SPD ein, ob der Einbau der neuen Lüftung dort nicht besser in den Sommerferien stattgefunden hätte.

Nur mit viel Flexibilität und auch Einschränkungen für Nutzer werden sich große kommunale Bauvorhaben künftig meistern lassen, ist Bürgermeister Martin Michalzik überzeugt: „Anders lässt sich unter den aktuellen Bedingungen ein wirtschaftlicher Einsatz unserer Steuergelder mit Zeitaufwand für Planungen, mit Förderauflagen, Materialfluss und Dienstleistungen von Fachfirmen nicht zusammenbringen“. Das zeige sich aktuell konkret bei der Gerkensporthalle, geht der Bürgermeister auf eine Kritik aus der SPD ein, ob der Einbau der neuen Lüftung dort nicht besser in den Sommerferien stattgefunden hätte.

„Grundsätzlich teile ich das, praktisch ist das heute kaum noch möglich und halte ich unsere Vorgehensweise für richtig“, so Michalzik: „Die Auftragsbücher der Fachfirmen – gerade solche, die für öffentliche Gebäude und an großen Anlagen arbeiten – sind voll. Außerdem gibt es dort selbst z. B. Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern, die Urlaube planen.“ Darüber hinaus wirken enge Zeitfenster bei Auftragsvergaben als starke Preistreiber und lassen manche Firmen gleich ganz aussteigen.

Die Förderzusage für die neue, mit gleich vier Teilanlagen aufwändige Lüftungstechnik der großen Sporthalle, sei im Oktober 2021 gekommen. Auf dieser Grundlage habe die Detailplanung des Fachbüros eingesetzt, die bis in die Osterzeit gedauert habe. „Daher war es wirtschaftlich unbedingt vernünftig, nicht auf den Sommerferien dieses Jahrs als Bauzeitraum zu bestehen“. Vielmehr habe man die Angebotsfrist so gewählt, dass für alle Anbieter genügend Zeit für eine vernünftige Angebotsausarbeitung inklusive von Ortstermin in der Halle zur Verfügung steht.

Die Angebotsfrist ist am 05. August. Bauarbeiten sind ab November bis Ende Februar möglich. „Bei Kosten von 392.000 Euro und 80 Prozent Förderung, die strengen Prüfungen standhalten muss, müssen Sorgfalt und Machbarkeit vor dem Wunsch nach Schnelligkeit und Ferienperioden stehen. Die exakten Bauzeiten werden erst nach verbindlichem Auftrag feststehen, weil auch erst dann Firmen in die Materialbestellung und Arbeitsplanung einsteigen“.

So wie Schulen und Kitas – z. B. bei Melanchthonschule und Kindergarten Echthausen – dabei mit Einschränkungen umgehen müssen, müsse das auch im Sportbereich möglich sein. „Immerhin stellt die Gemeinde alle Hallen gerne und in einem guten Zustand für die Vereine bereit – und jedem ist klar, dass der Vereinsbeitrag an die Kommune von 5 Euro je Mitglied, das beim Landessportbund gemeldet ist, für abendlichen Sportbetrieb mit Licht, Heizung und Reinigung nur ein symbolischer Beitrag ist.“

Zum Hallenbetrieb könnte aus Sicht des Bürgermeisters noch eine viel einschneidendere Entwicklung drohen: „Falls im Herbst und Winter ein echter Gas-Notstand herrscht, wird es bei einer harten Prioritätensetzung für die Wärmeversorgung kein Tabu sein können, Schul- und Vereinssport für ein begrenztes Zeitfenster über die Winterferien hinaus auszusetzen. Ebenso würde es einschließen, den Kultur- und Unterhaltungsbetrieb zu unterbrechen, um nicht große Hallen für wenige Abende heizen zu müssen. Das ist kein Ausblick, der mir gefällt. Aber für eine ernsthafte Vorbereitung, was der Krieg in der Ukraine und die zugespitzte Konfrontation in Europa bedeuten kann, gehört es für mich auf jeden Fall dazu.“ 

Die Gemeinde wird mit den Schul- und KiTa-Leitungen sowie den Hausmeistern über sparsames Energiewirtschaften nach den Ferien beraten. Für die kommunale Straßenbeleuchtung ist mit der Umstellung auf LED in zahlreichen Ortsbereichen bereits ein ordentliches Sparpotential erreicht worden. Darüber hinaus findet in weiten Teilen der Gemeinde zusätzlich eine stufenweise Dimmung des Lichtes zu Nacht hin statt. Ampelkreuzungen und Zebrastreifen müssen ständig hell ausgeleuchtet werden. Ansonsten bleibe nur, ganze Wohnbereiche etwa zwischen ein und vier Uhr morgens komplett vom Straßenlicht zu nehmen. Dieses mache aber nicht wenigen Anwohnern Angst, weiß man im Rathaus.

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